Prof. Dr. rer. hum. biol. habil. Hans Strasburger
Dozent
AG Pöppel
Dozent
AG Pöppel
Meine wissenschaftliche Laufbahn begann 1976 am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Mein erstes Projekt befasste sich mit Psychophysiologie und kybernetischer Modellierung: Auf einem Analogrechner modellierte ich den Einfluss der Atmung auf die menschliche Herzfrequenz. Schon bald verlagerte sich mein Interesse jedoch auf das Sehen in seinen vielfältigen Facetten – ein Forschungsgebiet, das bis heute meine wissenschaftliche Heimat geblieben ist.
In den 1980er Jahren kombinierten wir visuell evozierte Potenziale mit visueller Psychophysik, um Kontrastempfindlichkeit und Sehschärfe objektiv zu messen. Später untersuchte ich das periphere Sehen, insbesondere das Phänomen des Crowding. Es erwies sich als die wichtigste Ursache der eingeschränkten visuellen Klarheit beim „Sehen aus dem Augenwinkel“ – weit bedeutsamer als die Sehschärfe selbst. Das periphere Sehen spielt eine zentrale Rolle bei Hirnläsionen, der funktionellen Kartierung des Gehirns, visueller Aufmerksamkeit, Verkehrssicherheit, Lesen und Sport. Zu den ungewöhnlicheren Studien gehörte die Untersuchung einer blinden Patientin mit multipler Persönlichkeit, die „sehen lernte“ und damit weltweit Aufmerksamkeit erregte.
In jüngerer Zeit habe ich eine besondere Faszination für die Sehforschung des 19. Jahrhunderts entwickelt. Ich beschäftige mich mit Ewald Herings Arbeiten zur Hyperacuity sowie mit Alfred Wilhelm Volkmanns Beiträgen zu den Grundlagen der Wahrnehmung, insbesondere seiner frühen Analyse des Knotenpunkts des Auges. Eine Variante seines Diagramms zu den sich im Auge kreuzenden Sehstrahlen findet sich in vielen modernen Lehrbüchern. Noch weiter zurück reichen die Arbeiten von James Jurin, der bereits 1738 Crowding-Phänomene beschrieb, sowie von Alhazen, der sich schon im 11. Jahrhundert mit dem peripheren Sehen befasste.
Meine wissenschaftliche Arbeit war stets von der Faszination für das Zusammenspiel grundlegender Mechanismen des Sehens, ihrer klinischen Bedeutung und ihrer historischen Entwicklung geprägt.
Publikationen: https://hans-strasburger.userweb.mwn.de/pub.html